Die private Cloud selbstgemacht

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In Zeiten, in denen Cloud Computing in aller Munde ist und folgerichtig Cloud Dienste wie Pilze aus dem Boden schießen, stellt sich mir die Frage: Mag ich eigentlich meine Daten Diensten anvertrauen, deren Zuverlässigkeit und Integrität ich nur vom Hörensagen in einer Art Vertrauensvorschuss mal voraussetze, aber nicht wirklich beurteilen kann? Dazu bereitet es mir wirklich Unbehagen, persönliche Daten auf Servern beispielsweise in den USA abzulegen, auf die dortige Behörden wie das FBI ohne Hürden Zugriff haben.

Auf der anderen Seite finde ich Dienste wie z.B. Dropbox gerade in ihrer Plattformunabhängigkeit – Dropbox läuft auf Mac, Windows oder Linux, ja sogar auf allen mobilen Plattformen – durchaus praktisch, und ich nutze sie ab und zu für den Datenaustausch über die Betriebssystemgrenzen hinweg.

Heutzutage kostet allerdings auch eigener Internetspeicherplatz nicht mehr die Welt, schon bei ganz normalen Shared-Hosting-Paketen ist satt Gigabyte dabei. Und so kommt schnell die Frage auf: warum nicht selbst einen privaten Cloud-Speicher-Dienst im eigenen Webspace mit Freier Software selbst aufsetzen?

Gesagt, getan. Nach ein wenig googlen habe ich es mit „ownCloud“ versucht. Neben einer mysql- oder SQLite-Datenbank basiert die Software selbst auf php, der Webspace muss also neben genug Speicher diese beiden Voraussetzungen erfüllen, damit sich die Software aufsetzen und betreiben lässt. Nach dem Hochladen der php-Skripte führt eine simple Setup-Routine, die den Zugang zur Datenbank abfragt und diese dann auch anlegt, durch die Einrichtung, die dann auch den Administrator für den neuen Cloud-Service abfragt und anlegt.

Zur fertig installierten „ownCloud“-Service (oc) hat zunächst nur der Admin Zugang, der weitere Benutzer anlegen kann, jeweils mit den Rechten, die der entsprechende Benutzer haben soll. Ebenso kann eine Quota in oc festgelegt werden, das heißt dass der Speicherplatz, den ein Nutzer zugewiesen bekommen soll, limitiert werden kann. Das sollte er in der Regel auch, es sei denn, man verfügt über ausreichend Reserven an Plattenplatz, z.B. auf einem Server, den nur sehr wenige Mitglieder nutzen.

Nach dem Anlegen von Benutzern mit einem Passwort, können sich diese in oc einloggen und Daten hochladen. Neben Dateien, die in Ordnern frei organisiert werden können, sind mit „Daten“ auch z.B. Bookmarks oder Kalenderdaten gemeint, die via oc zentral verwaltet werden können. Ein schönes Feature ist der „Share“-Button, mit dem ganz leicht eine Datei für andere Nutzer frei gegeben werden kann. Man erhält dann einen Link, über den andere – auch nicht im Dienst angemeldete Personen – diese Datei herunterladen können. Oder aber man organisiert die Benutzer von oc in Gruppen mit bestimmten Zugriffsrechten und gibt einzelne Ordner oder Dateien gezielt für bestimmte Gruppen frei. Diese Freigabe kann bloßes Lesen, die Erlaubnis zum Download oder aber auch die Möglichkeit zur Bearbeitung beinhalten.

Sind Ordner oder Dateien von anderen für einen Benutzer frei gegeben, erscheint in dessen Ordnerliste ein neuer Ordner namens „Shared“ („Geteilt“), in dem die freigegebenen Daten von anderen Nutzern angezeigt werden. Dort kann er die Daten anschauen oder bei entsprechenden Rechten herunterladen. Ein besonderer Clou ist die Möglichkeit, Musikdateien direkt in owncloud anhören zu können. Diese Musikdateien können dabei über den gesamten Nutzerspace verteilt sein, owncloud fasst sie unter dem Menupunkt „Musik“ zusammen und macht sie automatisch zugänglich.

Dateien mit anderen teilen ist schnell erledigt mit ownCloud
Dateien mit anderen teilen ist schnell erledigt mit own-cloud

Insgesamt noch zu bemängeln ist die Lokalisierung der Programm-Oberfläche, die nicht vollständig ins Deutsche übertragen ist. Man muss ständig damit rechnen, englischsprachigen Anweisungen zu begegnen. Aber schließlich hat man bei einem Open Source – Projekt immer die Möglichkeit, selbst mitzumachen und beizusteuern.

Die Programmbasis selbst funktioniert gut. Über das WebDAV-Protokoll hat man die Möglichkeit, oc transparent in die persönliche Ordnerstruktur des PCs einzubinden. Ist man angemeldet, klappt der Datenaustausch und das Speichern wie mit einem lokalen Ordner. Die feinen plattformübergreifenden Sync-Features einer Dropbox bietet oc allerdings nicht.

Die Benutzerverwaltung von ownCloud
Die Benutzerverwaltung von ownCloud – links unten erkennt man das Anwendungen-Menu, über die weitere Zusatzfunktionalität zugeschaltet werden kann

Dafür gibt es einen wachsenden Pool an Addons, also Anwendungen, die man in oc einklinken kann. Die meisten dieser Anwendungen liegen allerdings in englischer Sprache vor. Wen das nicht schreckt, der kann sich einen OpenID-Service dazu installieren, LDAP-Unterstützung oder einen Bookmark-Server, der allerdings nicht zufriedenstellend in meiner Installation funktionierte. Ob es ratsam ist, oc mit Addons zu einer „eierlegenden Wollmilchsau“ aufzublasen, möchte ich bezweifeln. Eher wird man damit auf einer php-basierten Plattform Sicherheitslöcher aufreißen, da diese Addons nicht von dem Machern von oc selbst bereitgestellt werden.

Addons von zweifelhaftem Zusatznutzen lassen sich aber auch abstellen.
Die Kontaktseite ist rein auf englischsprachige Benutzer abgestellt. Addons von zweifelhaftem Zusatznutzen lassen sich aber auch abstellen.

Fazit: Ob sich ein eigener Cloud-Service lohnt, muss jeder selbst wissen. Immerhin kann ich auf diese Weise Webspace mir selbst zur Verfügung stellen, der sonst vielleicht eingekauft, aber ungenutzt bliebe. Klar: auch bei dem persönlichen Hoster meiner Wahl liegen meine Daten in fremden Händen und sind potentiell der Neugier anderer ausgesetzt. Aber ich habe ja auch die Möglichkeit, ownCloud auf dem Homeserver aufzusetzen: einige Linux-Distributionen (etwa ubuntu, allerdings hier noch in Version 1.2. – aktuell ist 2.0) bringen ja oc bereits als schnell per apt-get installierbares Paket mit – das ist prima zum Testen.
OwnCloud ist ansonsten ein Tool, das tut, was es soll. Dass es dabei Techniken nutzt, die es bereits gibt, ist ja nichts Schlechtes. Der Vorteil ist vielmehr, die leichte Zugänglichkeit und Administrierbarkeit, die ownCloud dem Nutzer ermöglicht. Für verteilt arbeitende Gruppen ist es aufgrund seiner Freigabe-Möglichkeiten eine gute Basis fürs File-Sharing für eine geschlossene Nutzergruppe via Internet. OwnCloud bringt einige vielversprechende Ansätze zum Ausbauen seiner Funktionalität mit, hat aber auch noch Entwicklungsmöglichkeiten und ist wohl im Moment noch „work in progress“.

Also: die private Cloud ist machbar, Herr Nachbar!

Beitragsbild: Linux Screenshots