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Was vom Leben übrig bleibt

Es gibt Orte, die schnüren mir Herz und Kehle zu. Oradour-sur-Glane ist so ein Ort. Ich war vor 4 Wochen dort.

Was in Oradour geschah

1944 löschte eine SS-Truppe das ganze Dorf aus, um ein sog. „Exempel“ zu statuieren: Frauen und Kinder wurden zusammengetrieben und in die Kirche eingeschlossen; die SS steckte die Kirche in Brand – fast alle starben qualvoll in den Flammen. Die Männer teilte die SS in kleinere Gruppen auf. Die SS-Schergen erschossen die Männer dann in Garagen und Hinterhöfen des Ortes. Oradour wurde angezündet, der Ort sollte ausgelöscht werden. Ein Kriegsverbrechen.

Die Ruinen des (alten) Ortes knapp 30km westlich von Limoges stehen bewusst heute noch so da, wie sie von den Verbrechern der SS zurückgelassen wurden.

Oradour-sur-Glane heute: die Gedenkstätte

Oradour ist heute eine Gedenkstätte. Dabei finde ich den Aufbau der Gedenkstätte sehr gelungen, denn ich kann nicht einfach in den zerstörten Ort hineinlaufen. Der einzige Zugang führt durch ein Dokumentationszentrum, das die Hintergründe dieses furchtbaren Geschehens in einen geschichtlichen Zusammenhang stellt und den getöteten Bewohnern von Oradour wieder ein Gesicht gibt, indem es Fotos zeigt und von ihnen erzählt. Dieses Doku-Zentrum ist quasi unterirdisch, der Besucher steigt hinab ins Grauen. Und wenn er wieder emporsteigt und an den Ort des Massakers kommt, sieht er, was nach 74 Jahren vom Leben übrig geblieben ist: Steine und rostiges Eisen, die von einem Leben erzählen, das auf grausamste Weise ausgelöscht wurde.

Und dennoch: es bleibt mehr übrig als Steine, Mauerreste, rostiges Eisen. Das Bewusstsein, dass sich so etwas in Europa niemals wiederholen darf, dass wir alle Verantwortung tragen für ein Europe des geschwisterlichen Miteinanders.

Ein Kommentar

  1. Andy 9. August 2019

    Das sieht so ähnlich aus wie Mostar vor ca. 20 Jahren. Ich liebe Frankreich und habe sehr enge emotionale private und berufliche Verbindung dahin. Solche Orte lassen einem den Schauer kalt über den Rücken laufen….. In Mostar waren es spanische Panzerrrohre, die mich als erstes begrüßten, die Häuser sahen aus wie auf diesen Bildern. Ich kann nur sagen, Menschen sind das Letzte, das würde einem Tier nie einfallen.

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