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Was vom Leben übrig bleibt

Es gibt Orte, die schnüren mir Herz und Kehle zu. Oradour-sur-Glane ist so ein Ort. Ich war vor 4 Wochen dort.
1944 löschte eine SS-Truppe das ganze Dorf aus, um ein sog. „Exempel“ zu statuieren: Frauen und Kinder wurden zusammengetrieben und in die Kirche eingeschlossen; die Kirche wurde angezündet – fast alle starben qualvoll in den Flammen. Die Männer wurden in kleinere Gruppen aufgeteilt und vonn den SS-Männern in Garagen und Hinterhöfen des Ortes erschossen. Oradour wurde angezündet, der Ort sollte ausgelöscht werden. Ein Kriegsverbrechen.

Die Ruinen des (alten) Ortes knapp 30km westlich von Limoges stehen bewusst heute noch so da, wie sie von den Verbrechern der SS zurückgelassen wurden.

Oradour ist heute eine Gedenkstätte. Dabei finde ich den Aufbau der Gedenkstätte sehr gelungen, denn ich kann nicht einfach in den zerstörten Ort hineinlaufen. Der einzige Zugang führt durch ein Dokumentationszentrum, das die Hintergründe dieses furchtbaren Geschehens in einen geschichtlichen Zusammenhang stellt und den getöteten Bewohnern von Oradour wieder ein Gesicht gibt, indem es Fotos zeigt und von ihnen erzählt. Dieses Doku-Zentrum ist quasi unterirdisch, der Besucher steigt hinab ins Grauen. Und wenn er wieder emporsteigt und an den Ort des Massakers kommt, sieht er, was nach 74 Jahren vom Leben übrig geblieben ist: Steine und rostiges Eisen, die von einem Leben erzählen, das auf grausamste Weise ausgelöscht wurde.

Und dennoch: es bleibt mehr übrig als Steine, Mauerreste, rostiges Eisen. Das Bewusstsein, dass sich so etwas in Europa niemals wiederholen darf, dass wir alle Verantwortung tragen für ein Europe des geschwisterlichen Miteinanders.

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