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Free Pussy Riot

Free Pussy Riot

Der unsägliche Schau-Prozess gegen die russische Band „Pussy Riot“ neigt sich dem Ende zu. Gestern hatten die Bandmitglieder Gelegenheit, ihre Schlussworte zu sprechen.

Nadeschda Tolokonnikowa:
„Mit jedem Tag beginnt eine wachsende Zahl von Leuten zu erkennen, dass, wenn sich die politische Maschinerie gegen Mädchen wendet, die 40 Sekunden in der Christ-Erlöser-Kathedrale aufgetreten sind, dass das nur bedeutet, dass dieses politische System Angst vor der Wahrheit und unserer Ernsthaftigkeit hat. […]

Wir haben mehr Freiheit als diese Leute von der Staatsanwaltschaft – weil wir sagen, was wir wollen. […]

In diesem Gericht wird nicht über Pussy Riot, sondern über das russische Rechtssystem verhandelt. Wer ist am Konzert in der Christus-Erlöser-Kathedrale schuld? Das autoritäre System. Was wir machen, ist eine Art Kunst in Zeiten, wenn Freiheit unterdrückt wird. Dieses politische System ist autoritär. Aber ich sehe gerade, wie dieses System an uns scheitert. Immer mehr Menschen glauben an uns, sie glauben, dass wir nicht hinter Gitter gehören. […] In diesem Prozess haben wir uns nie verstellt. Die andere Seite dagegen verstellte sich zu oft. Die Menschen fühlen das, die Menschen fühlen die Wahrheit. Mit jedem Tag wird die Wahrheit mehr und mehr triumphieren, obwohl wir hinter Gitter sind und wahrscheinlich noch lange hier bleiben müssen. […]

Wir sind freier als die Menschen, die uns gegenüber auf der Seite der Anklage sitzen. Sie sagen nur das, was die politische Zensur ihnen erlaubt. Sie dürfen nicht die Zeilen aus unserem Lied aussprechen, in denen es um unser politisches System geht. Vielleicht glauben sie, dass wir dafür bestraft werden sollen, dass wir gegen Putin und sein System rebellieren. Aber das dürfen sie nicht sagen, ihre Münder sind zugenäht. Das Christentum, so wie ich es verstehe, unterstützt die Suche nach Wahrheit. […]

Wer konnte ahnen, dass wir aus der Geschichte, dem Stalin-Terror nichts gelernt haben? Ich könnte heulen, wenn ich sehe, dass es im russischen Rechtsystem zugeht wie bei der Inquisition im Mittelalter. […]

Wie Alexander Solschenizyn glaube ich, dass das Wort am Ende den Beton durchbricht. Wir sitzen in einem Käfig, aber ich glaube nicht, dass wir verloren haben. Auch die Dissidenten haben nicht verloren. Während sie in psychischen Anstalten und Gefängnissen saßen, sprachen sie das Urteil über das Regime. […]“

Maria Alechina:
„Die Macht wird sich für diesen Prozess noch lange schämen müssen. In einer gesunden Gesellschaft wäre ein solcher Prozess unmöglich. Wenn wir über Putin sprechen, meinen wir nicht nur Wladimir Putin persönlich, sondern das von ihm geschaffene System. Sein Machtapparat nimmt keine Rücksicht auf die Meinung von Menschen, vor allem jungen Menschen.[…]

Nach einem halben Jahr in der U-Haft habe ich verstanden, dass das Gefängnis ein kleines Modell von Russland ist. Alle Fragen können nur gelöst werden, wenn sich der Vorgesetzte direkt einmischt. Denunziationen und gegenseitiges Misstrauen blühen. In der U-Haft genauso wie im ganzen Land haben die Menschen ihre Persönlichkeit verloren, wir sind alle Häftlinge. In diesem strengen Rahmen beginnt man, die kleinen Dinge zu schätzen. Im Gefängnis ist das zum Beispiel eine Tischdecke oder Plastikgeschirr. Draußen ist das der Status in der Gesellschaft, der für viele so wichtig ist.[…]

Für mich hat dieses Verfahren den Status eines ’sogenannten Prozesses‘. Ich habe keine Angst vor euch! Ich habe keine Angst vor schlecht kaschiertem Betrug im Urteil des sogenannten Gerichts. Denn ihr könnt mir nur die sogenannte Freiheit entziehen – nur solche Freiheit gibt es hier in Russland. Meine innere Freiheit kann mir niemand nehmen. […]“

Jekaterina Samutsewitsch:
„[…] Wir rechnen mit einem Schuldspruch. Im Vergleich zur mächtigen Justizmaschine sind wir niemand, wir haben verloren. Anders betrachtet aber haben wir gewonnen. Die ganze Welt sieht, dass die Vorwürfe und das Verfahren fabriziert sind. Das System kann nicht den repressiven Charakter dieses Prozesses verheimlichen. […]“

Meine Hochachtung für den Mut und die Gradlinigkeit dieser drei Frauen!

Einen guten Hintergrund-Artikel zum Prozess gegen Pussy Riot habe ich bei Telepolis gefunden:
https://www.heise.de/tp/artikel/37/37369/1.html

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