LeEco Le Max 2 X829: Mit LineageOS zum googlefreien Smartphone

Eine bekannte Schwäche des Android-Systems sind die häufig unzureichenden Aktualisierungen auf die jeweils neueste Android-Version. Bei den ständig wechselnden Modellen haben die Hersteller den Fokus, möglichst viele neue Geräte zu verkaufen, nicht aber bereits verkaufte Geräte mit Updates zu versorgen. Daneben besteht – subjetiv für mich – ein weiterer Nachteil der meisten Androiden im fast durchgängigen „Google-Zwang“. Ich denke, es ist darum clever, sich bereits bei der Anschaffung eines Gerätes daran zu orientieren, ob es frei downloadbare Systeme für das jeweilige Androidsmartphone gibt.

Logo von LineageOS
Logo von LineageOS

Eines dieser freien Systeme ist LineageOS, die Fortführung von CyanogenMod, das aktuelle Android-Versionen bzw. ROMs für eine ganze Reihe von Geräten zur Verfügung stellt. Das Schöne daran ist, dass ich mit LineageOS ein komplett Google-freies OS auf mein Handy flashen kann – oder anders gesagt wenigstens die Wahl habe, ob ich die Google-Apps und das Verdonglen mit den Google-Diensten möchte. Ich kann mir also auch ein Handy „zusammenstellen“, dass vollständig freie Software benutzt. Und darum soll es in diesem Beitrag auch gehen.

LeEco Le Max 2 (X829): Spezifikationen

Das LeEco Le Max 2 (X829) ist ein richtig feines China-Handy mit einer Ausstattung, die sich sehen lassen kann. Ich habe mir die Variante mit 64GB Speicher bei Gearbest im vergangenen Frühjahr bestellt. Für einem Preis von knapp 170€ – zwischenzeitlich war es gar für unter 140€ zu haben – habe ich viel Smartphone für mein Geld erhalten:

  • Guter 5,7″ Bildschirm mit 2560 × 1440 Pixeln, also 2K Auflösung
  • CPU Snapdragon 820 2.15GHz Quad Core
  • 4GB RAM und 64GB ROM
  • 21.0MP Back-Kamera, Fotos mit 5312 × 3984 Bildpunkten, sowie 8 MP Frontkamera
  • System: Android 6.0 (ab Werk vorinstalliert und nicht sehr gut eingedeutscht)
  • Bluetooth: BT4.2 und GPS: GPS, AGPS, GLONASS / Schwerkraft-Sensor
  • SIM Karte: Dual-SIM-Dual-Standby, Nano SIM + Nano SIM
  • Netzwerk: 2G: GSM 850/900/1800/1900MHz – 3G: WCDMA 850/900/1700/1900/2100MHz – 4G: FDD-LTE B1/B2/B3/B4/B5/B7/B8/B12/B17
Mein Le Max 2 mit LineageOS
Mein Le Max 2 mit LineageOS

Das Handy wird von LineageOS unterstützt – es gibt inzwischen bereits auch eine Oreo-Version (8.1 – LineageOS 15.1), die ebenso vollständige Unterstützung aller Funktionen und extrem gute Stabilität bietet wie das Nougat-Release (LineageOS CM-14.1 (7.1.2)).

Transformation: aus X829 mach ein X820 [update]

Vom LeEco Le Max 2 gibt es zwei Versionen: das ältere X820 und das neuere X829, das ich besitze. Leider bietet das X829 von Haus aus – im Gegensatz zum X820-Modell – bei sonstiger Baugleichheit kein LTE-Band 20. Somit ist eine flächendeckende LTE-Nutzung in Deutschland mit diesem Gerät nicht möglich.

Das Flashen des Le Max 2 mit einem Lingeage-ROM macht softwareseitig aus dem X829 ein X820, zumindest gibt sich das Smartphone nach dem Flashen als X820 aus. LTE kann dadurch allerdings nicht genutzt werden, auch wenn das Le Max2 nach dem Flashen LTE-Nutzung anzeigen kann: es funkt weiterhin im UMTS-Bereich.

Zuerst eine obligatorische Warnung: Bevor man sich ans Werk macht, sollte man sich bewusst sein, dass man tief in das System seines X829 eingreift. Die Gefahr, das Smartphone zu bricken, also es unbrauchbar zu machen, ist bei einem Fehler stets gegeben.
Darum: das Hinweisen auf und das Befolgen der nun beschriebenen Schritte erfolgt gänzlich auf eigene Gefahr und ohne Garantie auf Erfolg (auch wenn es bei mir sehr gut und einfach funktioniert hat).

Vorarbeiten und Flashen

Das Flashen erfolgt via ADB und FastBoot, dazu müssen USB-Debugging und die Entwickleroptionen unter Android aktiviert werden.

1. Einstellungen –> Über das Telefon (About Phone)

2. 7x auf Build drücken –> You are now a developer sollte erscheinen

3. Einstellungen | Developer options –> USB debugging –> Allow

Außerdem sollte natürlich – falls gewünscht – ein Backup aller Daten vorhanden sein. Meine Daten, allerdings nur ein paar Fotos und MP3-Dateien, waren allerdings nach dem Flashen weiterhin vorhanden.

Screenshots Updates
Fast wöchentlich erscheinen Updates für LineageOS

Desweiteren wird ein USB-C-Kabel gebraucht, um Telefon mit dem PC zu verbinden. Das Flashen selbst habe ich, da ich normal Linux nutze, in einer virtuellen Windows-Maschine erledigt.

Außerdem wird die nötige Software benötigt:

Ich bin nach der sehr guten Anleitung von Tobias Hartmann vorgegangen, die bei mir Schritt für Schritt reibungslos funktioniert hat (vielen Dank dafür).
Der einzige Unterschied ist zu dieser Anleitung bestand darin, dass ich eben ein LineageOS-ROM geflasht habe.

Vorteile von LineageOS

Hat alles geklappt, so wird das erste Booten von LineageOS etwas länger dauern. Auch wenn das Le Max 2 förmlich still zu stehen scheint: einfach etwas Geduld haben. Das neue System meldet sich bei mir als Android 7.1.2 und ist auf dem Le Max2 sehr performant.

Standardmäßig werden keine Google-Apps mit installiert. Was für andere möglicherweise ein gravierender Nachteil ist, betrachte ich – vor allem aus Datenschutzgründen – als großen Vorteil: mein Handy ist nicht an einen Google-Account gebunden, wird von Google nicht getrackt und mit den Segnungen allumfassender „Verlaufsaktivitäten“ beglückt. Natürlich kann – wer mag – die Google-Apps auch nachinstallieren. Jedenfalls sind sie nicht Teil des „offiziellen“ LineageOS-ROM.

F-Droid installieren

Als App-Store habe ich F-Droid gewählt, denn in diesem App-Store wird nur Freie Software angeboten. Dazu muss man nach dem ersten Einrichten von LineageOS mit dem mitgelieferten Chrome-Browser die APK-Datei von F-Droid herunterladen und installieren. Das funktioniert mit LineageOS 14.1 noch so, dass man die Installation von Paketen aus „unsicheren Quellen“ zulassen muss. Update: Unter 15.1 ist dieser Einstellungspunkt allerdings verschwunden. Im Download-Ordner, wo die APK-Daatei nach dem Herunterladen erst einmal landet, kann man diese nicht ausführen. Hier reicht es, wenn man die APK von F-Droid ins Root-Verzeichnis kopiert, denn ist hier sie ausführbar.

Reicht einem die Auswahl von F-Droid nicht, so kann man mittels der App „Yalp-Store auch quasi anonym einzelne Google-Apps nachinstallieren. Einzelne Apps, wie etwa die der Tagesschau, die ich per Yalp nachinstalliert haben, beschweren sich zwar beim Starten über fehlende Google-Push-Services, starten aber dann doch klaglos.

Fehlermeldung Tagesschau-App
Ignorierbare Fehlermeldung, die sich auf fehlende Google-Push-Services bezieht: die Tagesschau-App funktioniert dennoch gut.

Tipp zur Einrichtung: Im Downloadbereich von LineageOS kann man sich Pakete herunterladen, die Wettervorhersagen anbieten. Damit steht dann auch einem Wetter-Widget auf dem Start-Screen des Smartphones nichts mehr im Wege.

Ein weiterer großer Vorteil von LineageOS ist die kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems. Updates für das System kommen ca. 2-wöchentlich und man erhält eine Mitteilung dazu. Das Update ist mit zwei Taps installiert. So bleibt das Smartphone stets aktuell – ein Service, von dem andere Androiden nur träumen können.

Ein LineageOS-ROM basierend auf Android Oreo aka Android 8.x wird bereits für das Le Max2 entwickelt. Das meiste funktioniert auch bereits, aber einige Features, die mir wichtig sind – etwa die Kamera – funktionieren noch nicht oder noch nicht ausreichend gut. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis LineageOS-Oreo fertig sein wird.

LineageOS hilft mir, wie Linux im übrigens auch, nachhaltig mit meiner vorhandenen Hardware umzugehen und nicht gleich jedem neuen Gerät neidisch hinterher zu schauen.

Update (Sommer 2018):

P.S.: Die Anleitung funktioniert ebenfalls tadellos mit LineageOS 15.01. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, Version 15.1 zu installieren. Dies lag daran, dass das TWRP image, das ich verwendete, bereits zu alt war. Die Installation eines aktuellen TWRP brachte Abhilfe.