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Eine perfekte Reisekamera? Mit der Olympus PEN E-PL7 unterwegs

Felsendom Jerusalem
Der Felsendom in Jerusalem – aufgenommen bei 12mm: schöne Farben, scharf, alles drauf – aber eben auch stürzende Linien.

Im Mai war ich mit der Olympus PEN E-PL7, die ich als Reisekamera im Gepäck hatte, in Israel unterwegs. Von meinen Erfahrungen mit dieser Kamera auf Reisen soll hier die Rede sein. Eigentlich fotografiere ich auf Reisen durchweg mit meiner Canon 70D Spiegelreflex-Kamera. Die Bildqualität ist überragend und vor allem bieten die verschiedenen Objektive, die ich besitze, unendliche Möglichkeiten bei der Bildgestaltung. Aber die Aussicht bei Temperaturen von konstant deutlich über 30° fast 2 Kilogramm Kamera am Hals zu haben, fand ich nicht so verlockend und ließ schnell die Suche nach einer sinnvollen Alternative aufkommen. Eine Kompaktkamera schien mir zu wenig gestalterischen Spielraum zu bieten.

Vorerfahrungen mit Olympus

Also fiel am Tag vor der Abreise (!) die Wahl auf meine Olympus PEN E-PL7.
Dazu muss ich sagen, das ich nicht wusste, ob diese Wahl gut war. Denn bis dahin hatte ich die PEN auf Reisen noch gar nie getestet. Ich hatte mir vor vier Jahren für eine Städtereise nach Paris eine Vorgänger-Olympus, nämlich eine E-PM1, mit Standardzoom 14-42mm gebraucht im Internet zugelegt. Nach Sichtung der Fotos – vor allem von den Ergebnissen bei wenig Licht, also in Innenräumen und bei Nachtaufnahmen – war ich enttäuscht: diese Bilder waren nach meinem Empfinden total verrauscht oder verwackelt, einfach nicht schön. Demgegenüber waren die Fotos bei ausreichend Licht schon recht gut.

Nach diesen Erfahrungen machte ich im vergangenen Jahr dann ein Upgrade auf die Olympus PEN E-PL7, die es zu diesem Zeitpunkt ebenfalls gebraucht schon recht günstig (nur Body) im Netz gab. So zahlte ich nach dem Verkauf der E-PM1 nur etwa einen Hunderter „drauf“, und hatte damit eine Kamera, von deren Bildqualität ich begeistert bin – übrigens auch bei schlechtem Licht! Im direkten Vergleich zur Vorgängerin ein Quantensprung.

Ausrüstung

Zusammen mit dem Olympus-Standardzoom 12-50mm 1:3.5-6.3 EZ bringt meine PEN um die 400g auf die Waage. Daneben packte ich nur einen UV- und einen Pol-Filter ein, 4 Akkus plus Ladegerät und kaufte zum Objektiv noch eine passende Gegenlichtblende.

Ich wählte übrigens dieses Objektiv, weil es gegenüber dem leicht lichtstärkeren 14-42mm-Standard-Zoom (M.Zuiko Digital 14-42mm 3.5-5.6), etwas mehr Brennweite an „beiden Enden“ bietet. Dies allerdings um den Preis, dass man sich am unterem Ende, im Weitwinkelbereich, doch einiges an Verzeichnung und stürzenden Linien einfängt. Trotzdem eine für mich gute Wahl, mit der recht flexibel auf unterschiedliche Fotosituationen reagieren konnte. Außerdem lässt sich das 12-50mm-Objektiv sowohl per Motor als auch per Fokusring manuell fokussieren. Letzteres spart beim Fotografieren doch einiges an Akku und geht mir zudem auch schneller von der Hand.

Die guten Erfahrungen

Meine gewählte Kameraausrüstung erwies sich prima Begleiter in Israel. Diese leichte Kamera um den Hals zu haben, war kein Problem, zumal sie auch leicht im Rucksack zu verstauen war, den ich eh immer dabei hatte. Anschaltzeit und Autofokus sind so flott, dass auch spontane Schnappschüsse kein Problem sind.

Der klappbare Touchscreen erwies sich besonders dann hilfreich, wenn aufgrund vieler Menschen an touristischen Hotspots wie am Ölberg oder an der Grabeskirche eine „über Kopf“-Aufnahme angesagt war. Auch kopfüber gelingt die Fokussierung schnell und mit einem Fingertip auf den sehr praktischen Touchscreen auch sehr zielgenau. Die Fotos sind in meinen Augen farblich sehr schön, sehr detailreich und scharf. Da gibt es nichts zu mäkeln.

Und bei schlechtem Licht?

Besonders war ich ja auf die Fotos abends und bei schlechtem Licht gespannt. Das Rauschen in den Aufnahmen bei Dunkelheit und Stadtlicht war erfreulich niedrig. Allerdings würde ich empfehlen, die ISO-Zahl via Einstellungen im Menu nach oben zu begrenzen, ISO 12800 macht beispeielsweise mit der PEN nicht wirklich Sinn. Ich würde eine Einstellung bis max. 3200 ISO empfehlen, bessere Ergebnisse erziehlt eine Beschränkung auf 1600 ISO.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Klagemauer in Jerusalem – aufgenommen bei Dunkelheit. Der Platz war scheinwerferbeleuchtet.

Tücken beim Handling

Kein (optischer) Sucher

In Israel ist es fast immer sonnig, das machte es mir manchmal schwer, beim Blick auf das Display den Bildausschnitt richtig zu erkennen. Besonders horizontale Linien „erwischte“ ich nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte, bei vielen Bildern kippte vor allem der Horizont weg. Daheim hatte ich mit dem elektronischen Olympus Aufstecksucher VF-3 experimentiert – und habe ihn doch daheim gelassen, weil mir der Suchereindruck zu kein, zu pixelig und viel zu leicht verstellbar erschien. Da gibt es sicher höherwertige Suchermodelle – ist nur die Frage, ob man das Geld dann auch ausgeben will.

Insgesamt für mich kein wirklicher Kritikpunkt – aber ich bin von meinen Canon-Kameras eben einen optischen Sucher gewöhnt, den ich bei viel Licht nach wie vor als Vorteil empfinde. Eine Motiv- und Ausschnittsuche via LCD-Bildschirm ist da für mich immer im Nachteil.

Bloß nicht schwitzen! Touchscreen löst zu munter aus…

Mir fiel beim Tragen der Kamera um den Hals auf, dass die Kamera oft dann munter Bilder schoss, wenn sie mir bei Gehen gegen die Brust schlug – und zwar wenn ich schwitzte. Offensichtlich interpretiert der Touchsensor der EPL-7 dies dann als „auslösendes Moment“. Das Problem konnte ich nur nur dadurch in den Griff bekommen, dass ich die Touchbedienung irgendwann abschaltete. Wäre wirklich mal interessant, zu diesem Problem andere Stimmen zu hören – mir ist das zum ersten Mal mit einer Kamera so passiert.

… und die Filmtaste ist nichts für Grobmotoriker

backside_olympus_epl7
Direkt neben der Mini-Daumenablage gelegen: die kleine rote Filmtaste

Ich bin dankbar, dass auf dem Rückenteil der PEN etwas Platz für meinen dicken Daumen ist, denn dort hat Olympus eine kleine gummierte Griffablage platziert. Leider liegt in der unteren linken Ecke dieser Ablage für mich sehr unglücklich die Filmtaste. Und so kam, wie es kommen musste: beim Fotografieren oder beim Greifen fürs Weglegen schaltete ich Grobmotoriker öfter aus Versehen in den Filmmodus. Dies bescherte mir im Zusammenspiel mit dem oben genannten Touchscreen-Problem unfreiwilligen Film in der Größe einiger Gigabytes.

Zum Glück kann man die Taste per Menu umbelegen – ich habe sie während meines Israel-Trips kurzerhand außer Funktion gesetzt.

Fazit: Ist die PEN EPL-7 nun eine gute Reisekamera?

Definitiv ja! Die Bilder sind klasse geworden!
Nur sollte man sich vorher doch etwas mit der Kamera auseinandersetzen. Die Tücken im Handling waren zum Teil ärgerlich, resultierten aber eben auch daraus, dass ich die Kamera unter wirklichen Reisebedingungen noch nicht gut genug kannte. Mich persönlich hat am meisten der fehlende Sucher eingeschränkt – da habe ich gespürt, dass ich mit der EPL-7 als Reisekamera zwar eine gute Wahl getroffen habe, aber doch eben auch einen Kompromiss eingegangen bin. Aufgewogen werden die beschriebenen Tücken durch die Qualität der entstandenen Fotos und durch das wirklich leichte, gut tragbare Foto-Equipment, das man dabei hat.

Noch ein Tipp:

Ich hatte bei meinen Tagestouren immer zwei aufgeladene Ersatzakkus mit, da ein vollgeladener Akku in der EPL-7 nur für ca. 300 Fotos reicht. Das war vor allem bei den Funktionen, die sich einfach mal so auslösten (s.o.), eine gute Entscheidung. Bei der Wahl der Akkus sollte man sich übrigens auch nicht für die billigste Variante entscheiden, sondern lieber die etwas teureren Exemplare einkaufen.

Wer sich einige Bilder aus Israel anschauen mag, kann dies gerne in meinem Fotoblog oder direkt auf Flickr tun:

https://ulrich-berens.de/9-tage-israel-eindruecke/

4 Comments

  1. Paul Paul 19. Dezember 2016

    Hallo Ulrich,

    ein ausgesprochen toller Beitrag, der wirklich alle Seiten der Olympus PEN E-PL7 zeigt und bewertet. Es hat Spaß gemacht den Artikel zu lesen, da er voller Information steckt und man eine Menge über die Olympus PEN E-PL7 erfährt, was man sonst wahrscheinlich nie zu hören bekommen hätte. Ich bin zur Zeit mit meiner Sony Alpha 6000 auch sehr zufrieden, schau mich aber gerne nach anderen Kameras um, da ich mir wahrscheinlich nächstes Jahr eine neue anschaffen werde.

    Mfg Paul

  2. Martin Aich Martin Aich 29. September 2017

    Toller Beitrag, Ulrich! Ich denke, der hat mir bei der endgültigen Kaufentscheidung ziemlich geholfen. Lediglich der Tipp am Ende hat mich doch erstaunt: du schiesst an einem Tag 900 Bilder? Wow! Also mir persönlich würden die 300 Fotos üppig reichen.
    Danke für den Beitrag
    LG Martin

    • Ulrich Berens Ulrich Berens 30. September 2017

      Danke Martin, für Deinen Kommentar und schön, dass Dir mein Beitrag eine Kaufentscheidung erleichtert hat.
      Deine Rechnung mit den 900 Fotos pro Tag wegen der zwei Ersatzakkus stimmt allerdings so auch nicht ganz. 🙂
      Wenn die Kamera immer dabei ist, der Reisetag frühmorgens beginnt und bis in die Nacht dauert, man zwischendurch die geschossenen Fotos durchschaut und die schlechten rauswirft, dann kostet das oft sehr viel Energie/Akku. Gerade günstigere Zweitakkus halten zudem oft nicht so lange durch wie die Olympus-Original Akkus. – Ich bin da eben gerne auf der sicheren Seite!

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